Lebens- & Arbeitswelten mit Zukunft
... für Menschen in kleinen und mittelständischen Unternehmen

Next Economy Open 2017

Was gibt es Neues im Staate NewWork? Teil 1

Gunnar Sohn ist Wanderer zwischen den Welten. Was ich an ihm schätze, ist, dass er die Dinge hinterfragt und ihnen auf den Grund zu gehen strebt. Regelmäßig lädt der Diplom-Volkswirt und Wirtschaftspublizist Menschen aus unterschiedlichen Sphären zum Diskurs ein. Das Besondere an der dritten Auflage der Mitmach-Konferenz Next Economy Open: An der #NEO17x konnten alle Interessenten aktiv teilnehmen – vor Ort an der Hochschule Fresenius wie auch via Social Media und Livestreaming. Im ersten Teil meines Rückblicks auf diese partizipative Veranstaltung werfe ich Blitzlichter auf Wirtschaftsethik und die Neuausrichtung der Wirtschaftstheorie im Hinblick auf die Transformation von Ökonomie, Ökologie und Gesellschaft.

12.11.2017 · madiko

Den Auftakt zur "Next Economy Open" gaben bereits am Mittwoch die Studenten der Hochschule Fresenius:

Wirtschaftsethik

Was passiert, wenn erfahrene Investoren auf tendenziell unerfahrene Gründer treffen? Die Gefahr ist groß, dass letztere von ersteren über den Tisch gezogen werden.

Die Höhle des Löwen ist ein sehr gutes Beispiel dafür,
warum Finanzierungsethik wichtig ist.

Lars Neuwisser

Student Hochschule Fresenius

Ich gestehe, ich sah mir die "Höhle der Löwen" nur ein einziges Mal an – als Katrin Linzbach ihr erstes Kartenspiel in den Ring warf. Lass es mich so ausdrücken: Es ist nicht die Art von Wirtschaft für die ich stehe und ich finde es extrem schade, welches Bild von "Unternehmertum" via VOX gezeichnet wird. Ich hielt kaum diese eine Sendung durch, so unerträglich finde ich dies. Sie war nun der Aufhänger für die Kölner Studenten für ihren Beitrag zu Ethik der Finanzierung.

Aufbau oder Ausbeutung – Finanzierungsethik #Gründer #NEO17x
[ 08.11.2017 © Gunnar Sohn Next Economy Open 2017 ]

Im NEO17x-Beitrag geht es darum, wie man Unternehmen bewertet und auf was ein Investor achtet. Sie beleuchten dabei Finanzierungsmodelle – von Formen des Crowdfinancing bis hin zu Venture Capital oder auch Business Angels. In ihren Interviews fragen sie nach den Dingen, worauf Unternehmer in Vertragsverhandlungen mit Kapitalanlegern achten sollten und welche Rolle die "moralische Instanz" bei Start-ups sowohl auf der Gründer- als auch auf der Investorenseite spielt.

Ich fand interessant, dies gerade aus Sicht der Studenten zu hören und somit einen frischen Blick auf das Thema zu erhaschen. Es bringt mich in die Klarheit, was mir im Zusammenhang wichtig ist und ich freue mich über das "Wirtschaftsethik"-Projekt, dass aktuell in Kollaboration mit der Initiative Gemeinwohl-Ökonomie von uns bearbeitet wird. Dazu zu gegebener Zeit mehr.

Von der Startup-Szene ist es nicht weit zu digitalen, disruptiven Geschäftsmodellen. Ein Feld, in dem ich zurzeit extrem viel dazu lerne. Es steckt bereits im Namen – hierbei geht es darum, neue Wege zur Lösung von Problemen zu finden. Dazu gehört auch, diese VUKA-Welt besser zu verstehen.

Neuausrichtung der ökonomischen Theorie

Dafür empfehle ich, Dr. Winfried Felser zu verfolgen. Der Geschäftsführer der NetSkill Solutions GmbH aus Köln beschäftigt sich mit unterschiedlichen Aspekten von Wirtschaft. Er läuft mir regelmäßig in der "NewWork"-Community über den Weg. Im Rahmen seiner Session beantwortet er Fragen von Gunnar zur Neuausrichtung der ökonomischen Theorie.

Alles wird gut, wenn sich Ökonomik für transformatorische Ideen öffnet #NEO17x
[ 09.11.2017 © Gunnar Sohn Next Economy Open 2017 ]

In seinem Vortrag erläutert Winfried 4 große Treiber des Wandels, die uns alle betreffen:

  • Technologische Revolution
  • Kulturelle Revolution
  • Komplexität
  • Komplexitätsfähigkeit

Sie alle wirken daraufhin, dass sich die wirtschaftliche Wertschöpfung fundamental ändert. Interessant fand ich, dass Winfried hierbei von zwei Antreibern ausgeht: Der externalisierte und der emergente Wandel. Er schlussfolgert daraus: Die alten Wirtschaftsmodelle waren für die "alte" Zeit gut – für die Zukunft brauchen wir eine komplett neue Wirtschafttheorie.

Im Schnelldurchlauf(!) gibt Winfried einen Einblick in die CNLogic, die EcoLogic und PlatformLogic, allesamt Logiken kollaborativer Kognition in Netzwerken / Ecosystemen beziehungsweise Platformen. Winfried bietet wie immer ein Feuerwerk an Impulsen, für die es lohnt sie genauer anzuschauen und zu hinterfragen. Unter anderem weist er auch mehrfach auf Niels Pflägin hin. Ich empfehle stattdessen zur Quelle zu gehen: Gerhard Wohland und seine Erkenntnisse rund um "Dynamikrobustheit von Systemen" sind sehr lesenswert.

Die Anti-Gesellschaft-4.0

Wenn über die Transformation unserer Gesellschaft gesprochen wird, wird zumeist die Digitalisierung ins Zentrum gestellt. Sehr schön, dass Winfried dies bereits aufhebt. Noch klarer wird dies im Gespräch zwischen Klaus M. Janowitz und Gunnar Sohn. Ich empfehle dieses Video ganz besonders nach der obigen Turbo-Präsentation mit Winfried zu schauen – es ist schon in seinem Gesprächstempo eine Wohltat ;-)

Im Beitrag geht es um die "Versionierung von Phänomenen" – und wie schwachsinnig dies eigentlich ist, hinterfragt man mal die allzu beliebten Buzzwords... Der Soziologe Janowitz beschäftigt sich mit der Gemeinschaftsbildung von Strukturen. Das kann dann auch ein Hashtag in Twitter sein, über den sich eine Gruppe von Interessenten selbst organisiert. Letztlich ist es jedoch weit mehr als nur Technik. Aber sieh selbst:

Über die Anti-Gesellschaft-4.0. #NEO17x
[ 09.11.2017 © Gunnar Sohn Next Economy Open 2017 ]

Haben wir nun also die lästigen Buzzwords rund um Wirtschaft und Gesellschaft abgelegt, können wir uns dem Kern des Ganzen nähern:

Transformation von Ökonomie, Ökologie und Gesellschaft

Es geht bei der Digitalisierung nicht um ein Upgrade unseres alten Systems.

Gunnar Sohn

Wirtschaftspublizist

Gemeinsam mit Prof. Dr. Lutz Becker hinterfragt Gunnar, das "Entität"-Prinzip von Wirtschaft, das heißt das Aufheben, Firmen als geschlossene Systeme begreifen zu wollen.

Das Eigentum eines Unternehmens ist zwar privat. Die Wirkung eines Unternehmens ist jedoch öffentlich. [...] Wir sehen, das Verhalten in Betrieben hat Wirkung für den Arbeitsmarkt, für die Umwelt und so weiter. Das ist in der (konventionellen) BWL in der Vergangenheit systematisch ausgeblendet worden.

Prof. Dr. Lutz Becker

Leiter Business School Köln,
Studiendekan Sustainable Marketing & Leadership an der Hochschule Fresenius

Transformation von Ökonomie, Ökologie und Gesellschaft
[ 09.11.2017 © Gunnar Sohn Next Economy Open 2017 ]

Wir erfahren im Gespräch mehr über die Vordenker der kritischen Ökonomie in Deutschland, die ihre Anfänge bereits in den 70er Jahren vorwiegend aus der Umwelt- und Kreislaufwirtschaft haben. Allesamt zumeist sehr konstruktiv-kritisch gegenüber der konservativen BWL positioniert.

Prof. Dr. Becker plädiert dafür, über den Kern der BWL nachzudenken und sich hier für die Erkenntnisse anderer Wissenschaften zu öffnen:

Prof. Dr. Lutz Becker

Wir müssen über den Kern nachdenken. Ist der Kern noch der richtige? Liefert uns die ökonomische Theorie in der heutigen Welt noch sinnvolle Aussagen? Was kann ich mitnehmen? Was muss ich neu denken?

Gunnar Sohn

Die Auseinandersetzung geht ja richtig ans Eingemachte. [...] Das geht ja bis ins Esoterische.

Prof. Dr. Lutz Becker

Eine Wissenschaft, die nicht mehr in der Realität angesiedelt ist, würde ich mal als esoterisch bezeichnen. [...] Welchen Nutzen haben wir als Gesellschaft davon? [...] Das ist eine Aufforderung an uns, wo könnten wir denn Alternativen herkriegen.

Gunnar und Lutz diskutieren Hochschulkarrieren, Vergabeprozesse von öffentlichen Geldern / Drittmitteln und (oft partei-politisch motivierten) Berufungen. Sie hinterfragen, welchen Einfluss das auf die Wissenschaften hat. Heterogenität ist im deutschen universitären System momentan nicht vorgesehen, wodurch es die disruptiven Denker natürlich auch schwer haben. Zudem sind die neuen Ansätze zu wenig präsent in der Öffentlichkeit (oder gar das Gegenteil davon – siehe "Die Höhle des Löwen" von oben). Das System belohnt diese Form der Publikation nicht. Es macht deutlich, wie dick das Brett ist, an dem wir auch mit EnjoyWork bohren.

Im zweiten Teil des Gesprächs diskutieren Lutz und Gunnar die Initiatoren vergangener Transformationsprozesse, die häufiger als man gemeinhin denkt aus privilegierten Gesellschaftsschichten stammten. Sie spüren den Mustern nach, um Rückschlüsse darauf zu ziehen, wo wir heute stehen und welche Konsequenzen wir daraus ableiten können. Vor allem plädieren beide für das langfristige Denken.

Ich zitiere die Kurzbeschreibung des Buches, was Gunnar zu Beginn ins Bild hält: Transformative Wirtschaftswissenschaft im Kontext nachhaltiger Entwicklung:

Von Beginn an haben die modernen Wirtschaftswissenschaften gesellschaftliche Prozesse nicht nur beobachtet und beschrieben, sondern diese auch selbst katalysiert und beeinflusst. Damit haben sie einer Entwicklung den Weg gebahnt, die neben unbestrittenen Erfolgen zu ökologischen Zerstörungen, sozialen Verwerfungen und immer wiederkehrenden ökonomischen Krisen geführt hat. Mehr denn je braucht es eine transformative Wirtschaftswissenschaft, die insbesondere auch die Bedingungen und Möglichkeiten einer nachhaltigen Entwicklung von Wirtschaft und Gesellschaft analysiert und verbessern hilft.

Wie könnte das nun konkret aussehen? Im zweiten Beitrag zur NEO17x werde ich mich dann den pragmatischen Ideen zur "Next Economy" zuwenden.

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Du steckst schon mitten im Transformationsprozess oder bist durch und arbeitest an der Stabilisierung und Weiterentwicklung? Dann könnte der EnjoyWorkCircle etwas für Dich sein. Im kollegialen Austausch — professionell moderiert und fachlich untermauert — bleibst Du kontinuierlich an Deinen Themen dran und holst Dir Motivation, Unterstützung und neue Impulse.

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Walk To Talk

Walk to Talk – Gehspräche im Grünen. Wir treffen uns in urbaner Natur, um uns zirka zwei Stunden über sinnerfülltes Leben und Wirtschaften auszutauschen. Gehspräche haben keine Agenda. Bring mit, was Dich bewegt: eine Frage, eine Idee, eine Lösung.

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EnjoyWorkCamp – 75 Praktiker · 2 Tage · 25 Sessions. EnjoyWorkCamps sind Forschungs- und Prüflabor, Arbeitstreffen, Ideenbörse, Marktplatz und Spielwiese für Geschäftsmodelle, Produkte, Leistungen und Organisationsstrukturen rund um Leben und Arbeiten im 21. Jahrhundert. Das Programm gestalten dabei die Teilnehmer selbst.

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